Scherpenheuvel : Wallfahrtsort

9 November 2010

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Vielleicht hatte diese mit einer Gottesverehrung zu tun, wie sie die Druiden kannten. Das aufkommende Christentum hat von vielen dieser heidnischen Bräuche sicherlich christliche Inhalte erfahren; so bei uns, eine kleine Marienfigur an den Baum zu hängen. Scherpenheuvel lag damals auf dem Gebiet von Zichem. Der erste Bericht über Scherpenheuvel führt uns zurück in die Zeit nach 1304. Kaplan van Velthem aus Zichem berichtet zu dieser Zeit über einen grossen Zulauf zur Marienstatue an der Eiche. Und hinterlässt die Geschichte auch noch so viele weisse Flecken, so verweist eine Legende doch auf den Willen der Gläubigen, Unserer Lieben Frau ganz nahe zu sein. Ohne geschichtlichen Wert hat eine Legende auch ihren Reichtum, denn sie sagt einiges über die Seele und das Herz des Menschen aus. So will es die Legende, dass, als einem gewissen Tag ein Hirtenjunge die Marienstatue vom Baum wegnehmen wollte, er wie erstarrt an diesem Ort stehen blieb. Als ihn sein Herr nach einigem Suchen so antraf, hing er die Statue an den Baum zurück und der Junge konnte sich wieder bewegen. Die Legende soll bedeuten, dass Unsere Liebe Frau hier in Scherpenheuvel bleiben und vererht werden wollte. Nach dieser wunderbaren Erzählung besuchten immer mehr Pilger Scherpenheuvel. 1578 kam Alexander Farnese, Landvogt der Niederlande, nach hier um zu beten bevor er, das in die Hände der Geusen gefallen  Zichem belagerte. 1580 war die Statue verschwunden. Vielleicht hatten die Geuse, die derzeit unsere Gegend leergeplündert hatten, sie mitgenommen. 1587 erhielt ein Schöffe aus Zichem eine ähnliche Figur von der Küsterin der Allerheiligenkapelle in Diest. War dieses die ursprüngliche Statue, die beim Einfall der Geusen in Sicherheit gebracht worden war ? Diese Frage wird weiterhin offen bleiben. Es steht aber in jeder Hinsicht fest, dass dieses die kleine Figur ist, die heutzutage in Scherpenheuvel verehrt wird.

 

Die Anzahl der Wallfahrer wachste mehr und mehr und viele Heilungen wurden dem Genadebild zugeschrieben. Der Pastor von Zichem, Godfried von Thiewinkel, selbst als Kind im Alter von sechs Jahren in Scherpenheuvel geheilt, baute 1602 ub unmittelbarer Nähe der Eiche eine hölzerne Kapelle. Die Eiche hatte es schwer : die Menschen schnitten immer wieder kleine Stücke aus dem Baum, um diese mitzunehmen, bis er schliesslich gefällt wurde. Aus dem Holz schnitze man verschiedene kleine Figuren, die auch im Ausland Verbreitung fanden. Grosse Verehrer waren Erzhertog Albrecht und Erzherzogin Isabella, die derzeit unsere Gegend im Namen des spanischen Königs verwalteten. Sie kamen mehrmals aus Diest nach Scherpenheuvel und verehrten dem Heiligtum zahlreiche Geschenke. Als Maurits van Nassau die Stadt Žs Hertogenbosch belagerte, wurde durch ihr Gebet die Stad von Spinola befreit. 1604 bauten Sie eine Kapelle aus Stein zur Ersetzung von der hölzernen. Auch nach der Belagerung von Oostende kamen sie nach Scherpenheuvel um Unserer Lieben Frau zu danken. 1605 erhielt Scherpenheuvel die Stadtrechte und 1620 eine Umwallung, von der am Rosenkranzweg noch Reste zu sehen sind. Gleichzeitig fassten Sie den Plan auf dem Platz der Eiche eine grosse Kirche zu bauen. Der Hofarchitekt Wenceslas Coebergher (* Antwerpen ca. 1560 - Brüssel 24.11.1634) erstellte die Pläne : eine Kuppelkirche in einem geschlossenen Park (hortus conclusus) in der Form eines siebeneckigen Sternes. Der Stern verweist auf Maria (Stella Maris – Meeresstern). Auf den Kuppel des Kirches prangen 298 vergoldete Sterne. Die biblische zahl sieben (Vollkommenheit) findet mann überall wieder, innerhalb und ausserhalb des Bauwerks. Die runde Form wies in der Renaissance auf die Welt hin und die Kuppel als ob der Himmel auf Erden sei. Hatte man 1607 die erste Kuppelkirche in Willemstad in den Niederlanden als Symbol der Reformation eingeweiht, so begann man 1609 als Zeichen der Gegenreformation mit dem Bau der Kuppelkirche in Scherpenheuvel. Diese sollte die Lebenskraft und Vitalität der Kirche gegenüber der Reformation darstellen. Der Bau wurde 1627 vollendet und gilt als erste Barockkirche in den Niederlanden. Erzhertog Albrecht selber hat die Einweihung nicht mehr erlebt. Er starb 1621. Isabella war jedoch dabe. Sie war als Pilgerin zu Fuss von Diest nach Scherpenheuvel gekommen. Nach der Einweihung legte sie ihren Schmuck auf den Treppen des Altares. Diese Geste wurde der Ursprung des Volksbrauches, Geld und Schmuck zu opfern und am Fuss des Altares niederzulegen. 1610 wurde Scherpenheuvel eine selbständige Pfarrei und Joost Bouckaert aus Izegem ihr erster Pastor. Er wurde später der achte Bischof von Ypern (1641 – 1646). Um die Gottesdienste im Wallfarhtsort so gut wie möglich zu versorgen, baute er 1624 am östlichen Fuss des Hügels ein Oratorium, einen geräumigen Gebäudekomplex mit Ihnnenhof. 1660 wurde das Kloster durch einen 80m langen Barockgang mit der Kirche verbunden, der 1688 mit einer Arkade ergänzt wurde. Bis zur Französischen Revolution (1797) versahen die Oratorianer die Wallfahrtsdienste seelsorgerisch. Am Tag vor Weihnachten desselben Jahres wurden die letzten Oratorianer vertrieben und nach Französisch-Guayana in Südamerika deportiert. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass die Oratorianer gleichzeitig auch eine Niederlassung im deutschen Wallfahrtsort Kevelaer hatten. Anschliessend dieser kurzen geschichtliche Uebersicht möchten wir noch einiges Wissenswerte zufügen. 1807 wurden die Kirche auf weiss gemahlt und 1825 die roten Platten durch einen Fussboden aus Marmor ersetzt. Dieser wurde 1936 in seiner heutigen Form erneuert. 1850 erhielt der Altar einen silbernen Tabernakel mit Thron. Das Gnadenbild, das früher oben in einer Nische unter dem Baum stand, bekam nun seinen Platz über dem neuen Tabernakel. Neben der ersten farblichen Gestaltung der Kirche im Jahre 1860 erhielt sie farbig gestaltete Fenster. 1872 wurde das Gnadenbild gekrönt, ein Ereignis, an dem jede 25 Jahre erinnert wird. Die Erinnerung an diesem Krönungsfest ist auf einem Gemälde von Louis Hendrix (* Peer 1827 - Antwerpen 1888) festgehalten. Das Gemälde befindet sich in der mittleren Strahlenkapelle an der Nordseite. Als Anerkennung ihrer während viele Jahre grossen Verdienste erhielt die Kirche 1922 den Ehrentitel einer Basilika.

 

Die Stadt Scherpenheuvel liegt in der belgischen Provinz Brabant östlich van Löwen (Leuven), zwischen Aarschot und Diest und gehört zum Erzbistum Mechelen-Brüssel. Aus welcher Direktion Sie auch kommen, immer grüsst von Ferne das Heiligtum auf dem “scherpe”-heuvel (scharfen, spitzen Hügel, Bergkuppe). Die Geschichte von Scherpenheuvel beruht auf einer langen Tradition, die vor Jahrhunderten rund um eine Eiche begann.

Gottesdienste

Ordnungen : 

von Montag bis Freitag : 8u, 9u30, 15u und 18u

vom 1. Mai bis 31. August :

Samstag : 8u, 9u30, 17u et 19u (Sonntagsgottesdienst)

Sonntag : 7u, 8u, 9u, 10u*, 11u*, 12u*, 16u* und 18u 

(* in die "Mariahal")

vom 1. September bis 30. April 

Samstag : 8u, 9u30, 17u und 19u (Sonntagsgottesdienst)

Sonntag : 7u, 8u30, 10u, 11u, 16u und 18u 

Messstipendien (zu einem bestimmten Datum) : in der Sakristei

Messstipendien (zu einem freiem Datum) : im Empfangszentrum "De Pelgrim" oder in der Sakristei oder im Kerkhuisje.

Tel. Sacristei : 0032-13/77.14.96 oder e-mail : sacristie@scherpenheuvel.be)